[NEWS] Kindesmissbrauch! Kindsmord!
Indianer als Täter! Pensionierter Polizist! Provinz! Da reiben sich
Kronen-Zeitungs-Journalisten, Law-and-Order-Politiker und
Gerechtigkeitsfanatiker die Hände. Perfekter Stoff, um dem Publikum
die primitivsten Gefühle zu entlocken.
Und doch kommt alles ganz anders.
Es handelt sich ja hierbei auch nicht um irgendeine Story, nein,
die Vorlage stammt von Friedrich Dürrenmatts "Es geschah am hellichten
Tag", das 1958 erstmals mit Heinz Rühmann verfilmt wurde, zwei weitere
sollten in den Neunzigern folgen. Nun legt auch noch Sean Penn Hand
an, setzt Jack Nicholson für die Hauptrolle ein... Das ist ebenfalls
ein Versprechen, und zwar für einen guten Film - alles andere wäre
sehr enttäuschend gewesen.
Ein paar allzu vorhersehbare Ereignisse werden durch Verwirrung
stiftende Elemente und ein angenehm verstörendes Ende leicht wett
gemacht. Jack Nicholson spielt keine wirklich neue Rolle, auch
in seinem "Besser geht's nicht" spielt
er einen Typen, an dem abprallt, was andere fühlen und reden.
Allerdings ist er dieses Mal einfach nur ein alter Mann, introvertiert
und verbissen, dem Bild, das von ihm durch die Welt geistert,
komplett widersprechend.
Sean Penn inszenierte ruhig, mit einem Paukenschlag anfangend, dann
den Zuschauer von einer falschen Fährte zur nächsten hetzend - oder war
da doch was Wahres dazwischen? Das Verhältnis zu Nicholsons Charakter
bleibt ambivalent, obwohl oder gerade weil man viel Zeit hat, ihn
kennenzulernen.
Um Zeit geht's ja auch irgendwo, Zeit, die man sich nicht nimmt, weil's
nicht darum geht, etwas zu erreichen, sondern nur schnell damit fertig
zu sein. Nicht der wahre Schuldige ist gefragt, sondern jemand, dem man
die Schuld geben kann. Dies zu hinterfragen ist mühselig, wenn alles so
offensichtlich zu sein scheint. So wie es uns die
USA auch grade in Afghanistan
vormachen, und wie man ihnen überall auf der Welt nacheifert...