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Mit:
Leonardo DiCaprio, Kate Winslet, Billy Zane, Kathy Bates, ...

Regie:
James Cameron

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Trailer

Kritiken:
[more to come]

Diverses:
Dialoge

[NEWS] Mit sehr, sehr viel Skepsis erwartete ich diesen Film. Schließlich ist er angeblich der teuerste aller Zeiten und erzählt doch bloß eine altbekannte Geschichte. Und schien laut Trailer viel mehr eine Liebesgeschichte denn ein Actionfilm zu sein, was zumindest dem Einspielergebnis schaden könnte. Für das Projekt bürgten bloß Namen wie James Cameron, Leonardo DiCaprio, Kate Winslet oder auch Kathy Bates. Wenngleich Ensemble und Regisseur auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam zu haben scheinen.

James Cameron steht für beste Action à la "Aliens", "Terminator" oder "True Lies". Leonardo DiCaprio wiederum trat in "Romeo & Julia" und "Gilbert Grape" auf, Kate Winslet kennen wir aus "Sinn und Sinnlichkeit", Kathy Bates aus "Diabolisch" oder "Dolores" - alle keine Action-Stars, noch nicht einmal vom Fach...

Gerade das weckte aber auch Interesse, obwohl mir gleichzeitig sicher schien, daß ein Film, der Action nur für den Showdown benützt, niemals ein derartig riesiges Budget wieder einspielen könnte. Jetzt, da ich ihn kenne, räume ich ihm sogar diese Chance ein. Auch wenn Liebesfilme kaum so viele Zuschauer ins Kino locken, und auch wenn der Film über drei Stunden dauert. Dazu trug auch bei, daß meine beiden Begleiter, Coco und Marco, mit 13 beziehungsweise 12 Jahren nicht unbedingt in einem Alter für "sperrige" Filme ganz begeistert waren, obwohl wir die englische(!) Fassung sahen...

Und wirklich - amerikanische Filme zeichnen sich meistens dadurch aus, daß mindestens eine peinliche, unheimlich kitschige oder pathetische Szene kommt, die ihn gelegentlich beinahe ruinieren. So zum Beispiel bei "Contact" geschehen. Bei einem Katastrophenfilm mit Lovestory scheint das eigentlich unvermeidlich - aber, bis auf ein paar übertriebene Szenen, erstreckt sich "Titanic" über 190 Minuten ohne übertrieben vermittelt zu bekommen, man sei ein dämlicher 0815-Zuseher.

Witzigerweise ist es hier unvermeidlich, daß wir das Ende kennen, obwohl das bei jedem breitenwirksamen Film ohnehin selbstverständlich ist. Na ja, immerhin können wir nicht ahnen, was mit dem Liebespaar DiCaprio und Winslet passiert - und hier wird immerhin nicht der einfachste Weg gewählt. Also, man kennt das Ende, eine durch gravierende soziale Unterschiede behinderte Liebe ist auch kein neues Thema und Schiffsuntergänge haben wir zur Genüge gesehen (inklusive jenem der Titanic). Woher soll also die Spannung kommen, warum ist gerade dieser interessant?

Zum einen wegen der fantastischen Aufnahmen, auch der realen vom Wrack der Titanic. Die Leinwand macht's. Und natürlich das Schiff selbst, daß von den Computergrafikern und Bühnenbildnern beeindruckend nachgemacht wurde. Außerdem weiß Cameron mit klaustrophobischen Situationen umzugehen, wie er eben schon bei "Aliens" bewies - bloß ist es hier das Wasser (nebst der Selbstüberschätzung der Menschen), das zur offensichtlich unüberwindbaren Gefahr wird. Aber auch der Rest ist von Dynamik bestimmt, die Dialoge, die sich mal rasch, mal langsam entwickelnde Liebe zwischen DiCaprio und Winslet.

Vielleicht mal kurz die Story, die den Film um die Katastrophe rechtfertigt: In der Gegenwart sucht ein Abenteurer das Wrack der Titanic nach Schätzen ab, entdeckt dabei aber statt des erwarteten Geldes ein Bild. Auf diesem wiederum, das via Fernsehen in aller Welt gezeigt wird, erkennt sich eine alte Dame wieder, für die sich der Abenteurer bald zu interessieren beginnt, da die Dame auf der Zeichnung eine besonders wertvolle Halskette trägt. Sie aber bringt weniger Schätze dieser Art zu tage, als vielmehr ihre eigene Geschichte, der nicht nur die Schiffscrew bald gebannt lauscht. Eine Geschichte von ihr, der reichen, gelangweilten und irgendwie eingesperrten Lady, einem ungestümen Armen und der gesellschaftlichen Regeln, die ihre Beziehung zu unterbinden versuchen. Von einer unbändigen Liebe und von unglaublichem Egoismus und Klassenfeindlichkeit nicht nur im Katastrophenfall...

Sie hat auch eine der schönsten Szenen im Film, als sie mit leuchtenden Augen und fast kindlicher Begeisterung, doch gefangen im Körper einer alten Frau, nur im weißen Nachthemd zum Heck des Schiffs geht, um wie damals, vor über 80 Jahren, ein Stück auf die Reling zu steigen und... Irgendwie wird dadurch die Sentimentalität des Älterwerdens, der Vergänglichkeit aufgehoben, die Freude an der Erinnerung hervorgehoben und das Leben nicht auf seine Jugend reduziert sondern auf das Erleben an sich konzentriert.

Ich kann's nicht lassen, ich muß mal wieder positiv werten, daß sich der Film trotz allem nicht allzu ernst nimmt und mit so mancher, gelegentlich überraschender Selbstironie aufwarten kann. Was vielleicht durch gelegentlich mehr oder weniger beabsichtigte (who knows?) Zitate von Camerons anderen Filmen unterstrichen wird. Da spielt sicher auch James Horners Musik eine Rolle, bei dem man Stücke von "Aliens" erkennt und desöfteren an "Braveheart" erinnert wird.

James Cameron gibt der Handlung weiß Gott viel Raum, läßt die Beziehung zwischen dem Liebespaar und die Konflikte sich entwickeln, forciert die Ruhe vor dem Sturm, nur um dann den Untergang der Titanic ausgiebig zu zelebrieren. So kommen bei den ersten beiden Dritteln - will man beim Klischee bleiben und vielleicht sogar eine Strategie dahinter sehen - die Frauen und DiCaprio Fans auf ihre Kosten und im letzten, das ja immerhin noch immer eine Stunde ausmacht, die Freunde perfekt organisierter Action und damit Camerons ureigene Anhänger.

Schon gegen Anfang vermittelt der Film einen Eindruck vom gigantischen Ausmaß der Katastrophe, doch was die Special Effects im Showdown zeigen, konnte man beim besten Willen nicht erwarten. Langsam, Schritt für Schritt steigert sich die Spannung vom Entdecken des Eisberges bis zum spektakulären Absaufen des Hecks. Wo anfangs das Schiff noch auf beinahe banale Weise bedrohlich geflutet wird, birst später das Deck um schließlich das Schiff zu spalten und zum Teil senkrecht im Wasser zu stehen. Spätestens hier, aber eigentlich ohnehin die ganze Zeit, sieht man, wohin die kolportierten 400 Millionen Dollar flossen - und zwar zu Recht. Das sieht nicht aus, als würde da ein Spielzeug oder Modell versenkt, wenn einige Passagiere scheinbar endlos hinabstürzen oder an den gigantischen Schiffsschrauben abprallen und an Deck ewig abwärts rutschen, als das sich Schiff schon in einem gefährlichen Winkel befindet.

Damit diese Kritik nicht zu einem geschriebenen Pendant des Films wird - was die Länge betrifft, komme ich hier zum Ende und fasse zusammen: James Cameron, seines Zeichens Action-Regisseur, ist es mit "Titanic" gewissermaßen gelungen, erwachsen zu werden, ohne dabei seine Jugend aufzugeben. Ihm gelingt es, zu verhindern, daß Schauspieler, Schauspiel und Geschichte nicht neben der Action und den Effekten untergehen, sondern sich zumindest die Waage halten, so daß selbst in den Momenten, da sich scheinbar alles um die Charaktere dreht, die Tricks noch eine würdige Nebenrolle spielen und auch zum Zeitpunkt da alles in Chaos aufzugehen scheint, die Menschen nicht vergessen werden. Eine wunderschöne Lovestory, unterhaltsame Sozialkritik und fesselnde Action. Einfach überwältigend.


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Last Update: © madLoOm 19.07.1999