[NEWS] An dieser Stelle wird's wieder
einmal relevant: Wie sehr hängt die "Qualität" eines Films eigentlich
mit der Erwartungshaltung zusammen? Inwiefern kann ein Film, von dem
man ohnehin erwartet, dass er schlecht wird - dem man zumindest mit
größten Zweifeln begegnet -, davon profitieren? Oder umgekehrt, wie
sehr leidet er darunter, wenn man ihn mit hochgesteckten Erwartungen
ansieht? Kann ein Film denn überhaupt den Erwartungen entsprechen?
Mir scheint's jedenfalls, als würden den Erwartungen meist
widersprochen - Zufall?
Okay, genug von diesem philosophischen Exkurs, wenden wir uns lieber
"The Others" zu. Vorsicht, falls Du diesen Film noch nicht gesehen hast,
man kann die Kritik fast nicht schreiben, ohne zu viel zu verraten -
weil genau das die Qualität des Films ausmacht, was, wenn man's weiss,
die ganze Spannung zunichte macht...
Kehren wir also zu den Erwartungen zurück. Die sind bei Horror-Filmen
bei mir immer sehr skeptisch veranlagt. Im Normalfall sind sie blöd,
vorhersehbar, peinlich, unfreiwillig komisch und selten spannend. Manche
können sehr viel dadurch kompensieren, dass sie über aussergewöhnliche gute
Effekte oder Schauspieler verfügen, aber im allgemeinen kann man davon
ausgehen, dass sie unter aller Sau sind. Nicht, dass die Filme in anderen
Genres mehr hochwertige Vertreter enthalten - aber bei diesen kann man
meist nicht so viel falsch machen.
So gesehen werde ich also am öftesten von Horror-Filmen positiv
überrascht, da ich immer mit den geringsten Erwartungen hingehe. ;-)
Dennoch, wirklich gute sind selten.
Das haben in letzter Zeit nur M. Night Shyamalan mit
"Der sechste Sinn" und
"Unbreakable", Wes Craven mit
"Scream" und
"Das Blair Witch Projekt" geschafft. Keine reiche
Ausbeute. Filme, die wie "The Others" in alten Herrenhäusern spielen,
also
"Das
Geisterschloss" und
"Haunted
Hill" waren überhaupt zu vergessen.
Nicole Kidman hat Glück gehabt, ihre Wahl war gut. Ohne große
Effekthascherei (welche ich nicht zwangsläufig schlecht finde), mit
viel Ruhe und Subtilität wird Spannung aufgebaut und der Zuschauer
auf falsche Fährten gelockt. Horror mit Stil, könnte man sagen.
Man könnte natürlich sagen, dass die Zeiten, in denen Kidman verwirrt,
verängstigt, skeptisch oder vor Selbstvertrauen strotzden durch die
endlosen Gänge und Räume des Hauses wandert und dennoch nichts passiert,
langweilig sind - aber das Gefühl, es könnte oder müsste jederzeit etwas
vorfallen, genügt völlig, finde ich, um Spannung zu erzeugen.
Und trotzdem, obwohl man eh immer damit rechnet, dass etwas passiert,
darf man sich während des Films einiger gut platzierter Überraschungseffekte
erfreuen - herrlich, wenn man selbst auch mal wieder davon betroffen ist.
Und das Publikum über die eigene Schreckhaftigkeit gelöst lachen muss.
Herzstillstand vom feinsten.
Auch die Darsteller sind gut gewählt, selbst wenn das Ensemble klein ist.
Bemerkenswert die Kinder und vor allem Nicole Kidman. Die ihre Rolle aber
auch sichtlich genossen hat, nicht zuletzt, da sie meist im Mittelpunkt
steht.
Es dauert lange, bis man die Zusammenhänge in dem Haus erkennt, es
werden einem immer nur kleine Happen hingeworfen, und selbst die verwirren
permanent - und werden dann noch von der Auflösung übertroffen, die einem
die eigene Tölpelhaftigkeit vorführt. Dabei war's wahrscheinlich gar nicht
so schwer zu durchschauen. Nur in der Annahme, dass sich Horror-Filme meist
an sehr platten Storys rechtfertigen, kommt man gar nicht auf die Idee, so
weit zu denken. - Aber man lässt sich ja gerne täuschen.
Man fühlt sich allerdings immer wieder an Shyamalan erinnert, der seine
bisherigen Horrorfilme ja auch sehr ruhig inszenierte, weitgehend frei von
Splatter und mit einem verblüffenden Ende. Deswegen, und weil der Film
in einem derart altmodischen Erscheinungsbild daherkommt, das man sich
immer wieder an vergleichbare Klassiker erinnert fühlt, könnte man ihm
vielleicht mangelnde Eigenständigkeit unterstellen.
Die Atmosphäre wirkt aber dennoch auf ihre ganze eigene Art - hauptsächlich
getragen von Nicole Kidman, aber eben auch gerade wegen des Ambientes.
Da gelingt's leicht, sich so fallen zu lassen, dass es wirklich wieder
ein bisschen gruselig ist...