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[NEWS] Bei Stephen King-Verfilmungen ist es immer
gut, skeptisch zu sein. Die meisten waren bisher echt Schrott. Wer seine Bücher kennt, wird
das bestätigen können. Einige Ausnahmen gelungener Adaptionen waren "Carrie", "Shining",
"Christine" und zuletzt "Die Verurteilten" - übrigens auch von Frank Darabont, wie "The
Green Mile". Das liess hoffen...
Und dann war da die Besetzungsliste - Tom Hanks Qualitäten mögen streitbar sein,
aber er ist ein souveräner Schauspieler, James Cromwell und Bonnie Hunt sieht man auch
eher in besseren Filmen und David Morse ist auf jeden Fall okay, auch wenn nicht alles von ihm
mein Geschmack ist.
Dennoch - "The Green Mile", der Fortsetzungsroman auf der Leinwand? Hm, auch wenn es keine
typische Horrorstory ist, es erschien mir dennoch schwierig, mir das vorzustellen. Na ja, als
Stephen King-Fan und optimistisch dank der Crew, musste ich mir einfach selbst ein Bild machen...
Ja! Ja, er ist gut geworden, sehr gut sogar! Ich war schwer erfreut, sogar den Gänsehaut-Faktor
zu erleben - und das trotz der nicht einfachen Aufgabe, einen gefühlsduseligen
Schinken zu vermeiden. Zugegeben, es ist manchmal hart an der Grenze, aber es ist geglückt.
Zudem geht's um ein schwieriges Thema - die Todesstrafe so zu präsentieren, dass sie
nicht automatisch polarisiert, sondern die Möglichkeit bleibt, sich selbst ein Bild zu
machen, ohne mit Gewalt Meinung machen zu wollen. Nur, wie auch schon in "Dead Man Walking" -
den man allerdings schon alleine weil er einen wahren Hintergrund hat, nicht mit "The Green
Mile" vergleichen kann - finde ich einfach, dass man zu dem Schluss kommen sollte, dass die
Todesstrafe keine legitime Methode des Strafvollzugs ist.
Das will der Film auch suggerieren, aber nicht mit plakativen Mitteln. So blieb auch Tom
Hanks, trotzdem bei seiner Meinung der Befürwortung der Todesstrafe und verheimlicht das
auch gar nicht. Was ihn mir zwar nicht sympathischer macht, aber sein gutes Recht ist.
Es ist natürlich schwer, Verbrechen wie sie im Film John Coffey angelastet werden, nicht
mit Rache zu sühnen. Der Hass muss unglaublich gross sein, und die Rache scheint gewiss ein
einfacher Weg zu sein, um mit den Taten fertig zu werden. Es geht auch gar nicht so sehr darum,
dass vielleicht mal ein unschuldiger zu Tode kommt. Es ist einfach nicht angemessen, Rache ist
ein Gefühl, das nicht zur Geltung kommen darf - schlussendlich macht es nichts ungeschehen.
Ausgleichend wirkt auch, dass in "The Green Mile" das Böse nicht nur hinter Gittern zu
finden ist, und dass alle so ihre kleinen Fehler haben und sich nicht immer an die Regeln halten.
Der Zweck heiligt die Mittel. Dennoch wird der Realität eine Chance eingeräumt, so dass
es nicht zum totalen Happy End kommen kann, selbst wenn den schlimmsten Übeltätern ihre
Strafe zukommt. Das würde auch nicht Stephen King entsprechen, dessen Bücher selten
gut ausgehen - was bei den Verfilmungen dafür meist ignoriert wird.
Klar, dass Abstriche gegenüber der Vorlage gemacht werden mussten. Das geschriebene Wort
darf viel freizügiger sein, viel offener als die bewegten Bilder. Dadurch geht vielleicht
auch das typische Stephen King-Feeling unter, klar, drücken doch die Regisseure dem ganzen
ihren Stempel drauf. Was in dem Fall ja nicht schlecht war.
Wie bei solchen Themen und grade den Amerikanern typisch, spielt auch Gott hierbei eine Rolle,
Coffey wird nicht zuletzt als von ihm gesandter interpretiert... Jo, ich wiederhole mich, wenn ich sage,
dass es mir aufstösst, wenn's um dieses höre Wesen geht, das angeblich in all unsere Leben
reinpfuscht, und mich dran hindert, mein Leben so zu führen, wie ich es will - aber das muss
ich nunmal als Manko des Films nennen, auch wenn's nicht weiter wild ist, weil's nicht übertrieben
wird. Und King kommt darum auch in seinen Büchern nicht herum, trotzdem mag ich sie.
Wenigstens ist es gelungen, diese göttlichen Handlungen ohne allzugrossen Kitsch darzustellen,
relativ einfach, aber wirkungsvoll. Gleiches gilt für die Hinrichtungen, die schwer zu
ertragen sind, zurecht. Ohne aber dabei den Voyeurismus der Menschen anzusprechen, einfach nur
abschreckend. Auch Gefühle gibt's en Masse, gut gespielt, so, dass man sie zu schätzen
weiss.
Also hätten wir hier drei Stunden unterhaltsames Kino, ohne Längen meiner Meinung nach,
ich hab' mich nie gelangweilt. Zwischendurch wird genug Humor eingestreut, der wie in "Die Verurteilten"
dem ganzen Leichtigkeit verleiht, was bei dem Thema auch sehr angenehm ist. Unnötig ist einzig
die Rahmenhandlung, da muss ich den anderen Kritikern beipflichten - auch wenn ich mich zu erinnern
glaube, dass sie im Buch besser zur Geltung kam. Aber ich kann mich täuschen.
Übrigens begegnet in "The Green Mile" Tom Hanks wieder Gary Sinise in einer kleinen Rolle,
mit dem er in "Forrest Gump" spielte und Barry Pepper, der neben ihm in "Der Soldat James Ryan"
zu sehen war. Und Frank Darabont verfilmt nicht nur ein weiteres Stephen King-Buch, sondern zufällig
auch ein Gefängnisdrama. |