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Film
Ballade von Blutlust und Seelenheil

Thriller nach Dürrenmatt: Regisseur Sean Penn geht in Amerikas Einöde einem Mordfall nach. "Das Versprechen" krankt, trotz Nicholson, an emotionalem und bildlichem Überdruck.

VON STEFAN GRISSEMANN

Der Film setzt beim Klischee an und endet im Unabsehbaren: Das ist besser als in umgekehrter Reihenfolge, aber vielleicht nicht gut genug für ein Kino, das besonders sein möchte. Ein Polizist wird verabschiedet, schweren Herzens tritt er die Pension an; Jack Nicholson spielt diesen Mann, einen Gequälten, Einsamen unter seinen Kollegen, und er heißt, vielsagend, Jerry Black.

Ein Kind wird mißbraucht und ums Leben gebracht, das reizt die schwarze Seele des Cop; er reißt den Fall an sich, erklärt sich bereit, die Mutter aufzusuchen und in Kenntnis zu setzen. Sean Penn, US-Schauspieler und Filmemacher, geht in seiner dritten Regiearbeit, genannt nach Friedrich Dürrenmatts Roman Das Versprechen / The Pledge, einer ungesunden Obsession nach.

Black, sein Held, verspricht der Hinterbliebenen in schwerer christlicher Wortwahl, den flüchtigen Kindermörder zur Strecke zu bringen: "by my soul's salvation". Das bindet ihn existentiell an den Mord: Die Verantwortung verändert, zerrüttet ihn. Eine Art Blutlust, uneingestanden und geboren aus der Angst zu versagen, setzt ihm zu; in den Bergen Nevadas bemüht er sich, den Schuldigen zu finden. Dabei setzt er ein Kind und seine eigene Psyche aufs Spiel. Als Filmemacher neigt Sean Penn zur gewichtigen Inszenierung: Die metaphorische Überladung steht den Rätseln seiner Erzählung im Weg wie auch das fallweise entgleisende darstellerische Virtuosentum (Benicio Del Toro als zurückgebliebener Verdächtiger!).

The Pledge demonstriert durchaus die Ambition, über den US-Norm-Thriller hinauszugehen, schmerzhafter, weniger befriedigend, somit: den Umständen entsprechend zu verfahren. Aber Penn entgeht den Schlingen seiner Story nicht, er kommt an Familienkitsch (Gefährdung von Frau und Kind und Lebensglück) nicht vorbei. Auf eine Antiklimax läuft der Film, bei lastender Gefühlsmusik, hinaus, er bietet keine Katharsis, keine Chance auf Rückerstattung der guten Gefühle: nur den Schmerz der emotionalen und filmischen Überbelastung.

16.10.2001 Quelle: Print-Presse