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Film In "The Others", einem neuen Schauermärchen rund um die alleinerziehende Mama Nicole Kidman, sieht das Horror-Kino alt aus. VON STEFAN GRISSEMANN Die Kinder sind lichtscheu, die Mutter unnachgiebig. Die Alleinerzieherin (bigott, einsam, rigoros: Nicole Kidman) sucht Lebenssinn in einem Totenreich, in der Düsternis eines viktorianisch anmutenden Anwesens. Der Mythos vom Dark Old House, literarisch-filmisch zigtausendmal bearbeitet, wird in Alejandro Amenábars The Others nun erneut zur Erzählbasis: Gespensterhaus zigtausendundeins. Alt sieht es aus, das Kino Amenábars, aber diesen Eindruck hat man nicht erst mit diesem Film gewonnen: Bereits Tesis, das Debüt des Spaniers, war 1995 weniger ein Film als ein Thesenpapier zur Mechanik des Thrillers, ein Werk der anonymisierten Suspense; zwei Jahre später folgte Abre los ojos, ein weiterer Kniefall vor der Trivial-Kriminalität des US-Kinos. Gemessen daran scheint The Others, Amenábars dritter Film, nun fast schon ein Fortschritt (indes: ein minimaler) zu sein; auf das System Hollywood umgestellt, läßt der Filmemacher den Anstrich des Modernen hier vollends hinter sich: The Others fällt seltsam aus der Zeit, fühlt sich in Ausstattung und Tonfall dem 19. Jahrhundert näher als dem Jahr 1945, in dem diese (Nachkriegs-)Fabel sich ereignen soll. Alfred Hitchcock hätte Nicole Kidman als (zu quälendes) Objekt eventuell ganz interessant gefunden: Wie eine Wiedergängerin Tippi Hedrens oder Grace Kellys bewegt sie sich durch die Gänge des Hauses, zunehmend irritiert ob der mysteriösen Vorgänge (und des beunruhigenden Hauspersonals, gespielt von Fionnula Flanagan und Christopher Eccleston), welche ihr und ihren Kindern (Alakina Mann, James Bentley) bald lebensgefährlich zu werden drohen. Sie verstrickt sich dabei in eine - zielstrebig auf die einzige Pointe des Films zusteuernde - Schauergeschichte, die Amenábar mit viel Theaterdonner, Trockeneis und Orchesterverstärkung, mit Spiegeltricks und Standard-Schocks inszeniert hat, ohne sein eigentliches Ziel verhehlen zu können: eine indirekte Gewinnbeteiligung am Erfolg einer strukturell verwandten Arbeit namens Der sechste Sinn. Jäh endet, nach langen Durststrecken, das Gothic-Kunstgewerbe und Trance-Tanztheater Amenábars: ein zäher Routine-Spuk, dead on arrival, dessen überstürztes Finale einen dann doch, nicht im Sinne des Regisseurs zwar, irgendwie glücklich macht. 12.01.2002 Quelle: Print-Presse | |