|
|
> BACK - CINEPHREAK |
|
Harry Potter und der Stein der Weisen
Am perfidesten ist das Grauen, wenn es dich in Gestalt einer schönen Frau packt. An jener Stelle packt, an der du am empfindlichsten bist: Genau an der Ganglienwindung, wo dein Kindchenschema gespeichert ist. Deshalb, und nicht seiner blutarmen Raffinesse wegen, hat dieser dunkelsüchtige Albtraum allein erziehender Mütter überall so viel Erfolg. Und weil die junge Mutter von Nicole Kidman, leichenblass und Gewänder wallend, gespielt wird und ihre Kinder den schreckensstarren Blick nie ganz verlieren. Die passende Überfrage – übernatürlich oder doch nur überspannt? – drängt sich dabei ebenso auf wie: Mysterien- oder Hysterienspiel? Außer Frage steht die Überzeugungskraft der Australierin: Das kecke, verführerische Gesicht der Kidman gilt als eines der wandlungsfähigsten im Gewerbe. Dem Edelhorror des Spaniers Alejandro Amenabar haucht Nicoles schauspielerisches Temperament seine morbide Seele jedenfalls erst ein. Altmodisches Instrumentarium wie Klavierspiel von Geisterhand, Schreie ohne Münder, Fotosammelalben drapierter Leichen und nahender Wahnsinn geht daneben nicht ganz so nahe. Klaustrophob, gruftig, grottig das herrschende Klima, in dem die zünftig wabernden Nebel gnädig auch die logischen Patzer verhüllen. Auch sonst kann etwa das noble Gruselspiel um eine junge Witwe, die auf einem viktorianischen Anwesen der britischen Kanalinsel Jersey ihre beiden an Lichtallergie erkrankten Kinder in die abgelegene, abgedunkelte Villa weggesperrt hat, nur mit raffiniertem Design punkten. Darüber hinaus hat das zur Endzeit des zweiten Weltkriegs angesiedelte Schauermärchen mit einer fast nicht von dieser Welt scheinenden Mammi Kidman seine Schockeffekte aus alten Edgar Wallace Filmen und seinen verblüffenden Clou aus "The Sixth Sence" abgekupfert. | |