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Film
Schaler Sekt in teuren Flaschen: Wo der Spaß nur eine leere Behauptung bleibt

"Ocean's Eleven" - eine Remake-Niederlage von Steven Soderbergh: seelenloser Schick und selbstreferentielles Schauspiel in steriler Studio-Atmosphäre.

VON CHRISTOPH HUBER

Anfangs könnte man meinen, dieser Mann sei aus Out Of Sight zurückgekehrt: Doch er heißt Danny Ocean, und auch wenn ihn George Clooney mit der gleichen Mischung aus ironischem Pep und selbstverständlicher Lässigkeit versieht wie den Gangster aus seiner oben genannten vorherigen Zusammenarbeit mit Steven Soderbergh, so hat der Mann in Gefängniskleidung hier doch bereits wesentlich Größeres im Sinn. Kaum hat er das Gespräch mit der Bewährungskommission hinter sich gebracht, macht er sich auf in die Glitzerstadt Las Vegas, um einen Trupp für den größten Coup seines Lebens zu rekrutieren: Drei Casinos will er um 150 Millionen Dollar erleichtern.

Ocean's Eleven, Hollywoods jüngstes Remake, basiert auf der gleichnamigen caper comedy von 1960, die vom alternden Veteranen Lewis Milestone mehr pragmatisch denn dicht inszeniert wurde. Ihren wahren Reiz bezog sie, wie schon ihr deutscher Titel Frankie und seine Spießgesellen ankündigte, freilich aus einer anderen Quelle als dem erheiternd unglaubwürdigen Plot um fünf Casino-Einbrüche während der Silvesterfeier: Es war der erste Film, in dem das Rat Pack gemeinsam auftrat - und nur ein Vorwand für die Gruppe um Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis jr. an einem Ort, an dem sie sich gerne aufhielten, ihren persönlichen Scherz zu treiben. Martin Scorsese, dessen GoodFellas und Casino die wahren Erben dieses Dokuments einer Gruppendyamik sind, hat folgendes festgehalten: "Es geht um die Art, wie sie sich kleideten, sich bewegten, um die stilisierte Sprache. Es ist eigentlich ein Film für sie selbst, zur ihrer eigenen Unterhaltung."

Dies also scheint eine wesentlich bessere Ausgangsposition für eine Neuverfilmung zu bieten als zuletzt verunstaltete Klassiker wie Psycho oder Les diaboliques, zumindest auf dem Papier: Mit Soderbergh hat man einen Regisseur an Bord, der seine kommerziell erfolglose Independent-Karriere hinter sich gelassen hat, um in Out of Sight und Erin Brockovich solides Hollywood-Handwerk mit einem eignen, entspannten Rhythmus zu inszenieren; die eindrucksvolle Starbesetzung garantiert zudem Publicity und hohen Wiederkennungswert der Standardfiguren; und slicke Vegas-Interieurs sowie nachtblaue Außenaufnahmen werden von Soderbergh (der hier wieder unter Pseudonym als sein eigener Kameramann agiert) für elegante Oberflächenstudien genutzt.

Mit dem Konzept alleine ist es freilich nicht getan: Ocean's Eleven strebt nicht mehr an als den Status einnehmender Unterhaltungsware (den Ruf als Künstler, den Soderbergh seine - als Komplexität mißverstandene - ideologische Verwirrung beim ambitionierten Drogenepos Traffic eingebracht hat, macht er hier schnell zunichte), aber der Tonfall ist nicht verspielt, sondern bloß arrogant.

Abklatsch seiner selbst

Spaß wird zwar behauptet, entsteht aber nie: Das Flair des Regisseurs für extravagantes Timing zerstört den Spannungsaufbau des sehr epigonal strukturierten, mit zahlreichen High-Tech-Spielereien zu einer Art Mission: Impossible Redux aufgeblasenen Krimiplots, der noch epigonalere Dialogwitz verharrt in lustloser Variation der Insider-Komik des Originals - und das großspurig vorgeführte Ensemble wird als zweitklassiger Abklatsch seiner selbst verheizt.

Allein Clooney, der auch in passiver Haltung noch unernsten Charme versprüht, entgeht der Zerstörung, aber schon sein zweiter Mann Brad Pitt muß sich darauf beschränken, seinen Charakter dadurch zu definieren, daß er in fast jeder Szene ißt (und erinnert so daran, daß man sich auch bei anderen Star-Ungetümen der Sechziger bedient hat - die Trademark entspricht Steve McQueens Gewohnheit in Die glorreichen Sieben, an seinem Hut herumzuspielen); der Rest der berühmten Riege (Matt Damon, Andy Garcia, selbst Don Cheadle als Cockney-Sprengstoffexperte) zeigt nicht einmal Minimaleinsatz, um Leben ins Spiel zu bringen. Den Tiefpunkt verbucht Julia Roberts, die gemeinsam mit der Geldbeute als Gewinnobjekt des Raubzugs fungiert (in der letzten Szene wird sie dann auch als "thing" bezeichnet): Ob es Roberts selbst ist, die da in regelmäßigen Abständen durchs Bild geschoben wird, oder nur ein Sack, der wie sie aussieht, ist schwer zu sagen - und letztendlich belanglos.

Die wenigen annehmbaren Eigenschaften von Ocean's Eleven weisen alle in die Vergangenheit: eine Rückblende zu gescheiterten Vegas-Raubzügen, deren liebevoll an die jeweilige Periode angepaßte Details mehr Esprit besitzen als der genauso künstliche Studio-Look des restlichen Films; zwei viel zu kurze Rollen für die alten Profis Elliot Gould und Carl Reiner; zwei Cameos von Darstellern des Originals, Henry Silva und Angie Dickinson, die Nostalgie wecken. Ocean's Eleven, der gern wie prickelnder Champagner daherkäme, verbreitet nur den schalen Geschmack von abgestandenem Sekt.

12.01.2002 Quelle: Print-Presse