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Harry Potter und der Stein der Weisen
Harry Potter steckt alle in die Tasche. Sogar ganz ohne Tricks – das will was heißen für einen Zauberer. Nichts kann den bestsellergeborenen Zauberlehrling mit Eulenbrille, Stupsnase und Verlegenheitslächeln in Misskredit bringen. Schon gar nicht seine Verfilmung. Auch nicht dessen oft umständliches Drehbuch, die faulen Spannungstricks, das Pseudohorrorszenarium. Und nicht, dass die 2½ Stunden keineswegs wie im Flug vergehen, obwohl darin reichlich (auf Besen) in die Luft gegangen wird. In keinen Fällen steht der Kritiker auf so verlorenem Posten als bei Zeitgeistphänomenen, Kult und Massenhysterien; Harry Potter, der modernste aller Märchenhelden, brilliert in allen drei Kategorien . . . Wer Kinder hat, muss sich die romantische Mär vom übersinnlichen Waisenknaben anschauen: Kuscheldecke spielen bei Angstattacken – vor allem der Kleinsten. Wer die Potter-Bücher liebt, ebenfalls: So geschmeidig ans Geschriebene hat sich selten eine Märchenbuchverfilmung geschmiegt. Es gibt die Literatur. Und es gibt die Gartenzwergliteratur. Natürlich gehören Harry, seine Freunde und Feinde in der Schule für Zauberei und Hexenwesen, seine Abenteuer im verbotenen Wald, beim luftigen Base- und Basketball-Zwitter Quidditch usw. zur Gartenzwergliteratur. Das ist jene, bei der alle stolz sagen können, sie hätten auch ein Buch gelesen (bei Potter bisher sogar vier), ohne sich aber allzu viel bei diesen denken zu müssen. Dennoch sollte man nicht allzu arrogant auf sie hinunterschauen: Frohmacher haben auch Existenzberechtigung. Harry, du bist echt bezaubernd . . . Dasselbe lässt sich man auch vom putzigen Hauptdarsteller sagen . . . Wie der stille Bub aschenputtelhaft von miesen Zieheltern samt boshaftem Stiefbruder gedemütigt wird. Wie er sich später im Zauberschul-Internat Hogwarts bewährt: Gegen Trollriesen, dreiköpfigen Hund und den Grusellord Voldemort . . . Muggels – so nennen die Zauberkundigen verächtlich uns uneingeweiht Sterbliche – finden das sagenhaft nett. Rudolf John | |