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Film
Ein Schnaps für jedes Klischee!

Der Gefängnisfilm als heiteres Trinkspiel: Regisseur Rod Lurie kämpft mit den Anforderungen des Genres.

VON CHRISTOPH HUBER

Jede Festung, so vorab eine Erzählstimme, läßt sich in vier Elemente einteilen. Das vierte ist die Flagge - und darum wird gut zwei Stunden lang gekämpft werden. "You tell them nobody takes our flag", sagt jemand, der seine Festung, ein Militärgefängnis, besonders penibel überwacht: Gefängnisleiter Col. Winter (James Gandolfini). Womit er übrigens noch gar nicht als Schurke ausgewiesen ist: Das kommt zwei Szenen später, als er demonstrativ beim Vitrinenputzen einer Salieri-Platte lauscht.

Jeder Salieri braucht, im Hollywoodfilm zumindest, seinen Mozart. Die letzte Festung findet dafür die Gestalt eines gealterten Helden: Gen. Irwin (Robert Redford) schleppt sich geistesabwesend über den Innenhof des Gefängnisses, während über seine verbleibende Lebensdauer spekuliert wird. Seine ersten Begegnungen mit Winter verkünden noch eitel Sonnenschein: Der gut 60jährige Irwin will nur schnell zehn Jahre wegen Befehlsverweigerung absitzen; Winter dagegen, der sich von seinem Kontrahenten dessen Buch über Taktik signieren läßt, freut sich offenbar schon auf lange Winterabende, an denen er mit seinem bewunderten Häftling Vor- und Nachteile von Führungsstrategien erörtern kann.

Gewissen, Gehorsam

Bis sich seine eigenen Strategien in den Weg stellen: Das Skript, offensichtlich nach den Regeln eines heiteren Trinkspiels (ein Schnaps bei jedem Gefängnisfilmklischee) organisiert, führt den Direktor bald als sadistischen Menschenhasser vor, dem sich Irwin, will er sein reines Gewissen behalten, entgegenstellen muß. Wirkt Die letzte Festung mit seinem Imperativ des unbedingten Gehorsams und der Heiligsprechung der US-Flagge zunächst wie der Prestigefilm zur US-Innenpolitik (so wie Pearl Harbor der Film zur US-Außenpolitik war), eilt er nach gut einer Viertelstunde in Riesenschritten auf die Farce zu.

Während sich talentierte Schauspieler (darunter Mark Ruffalo, Delroy Lindo) vergeblich durch Understatement von den peinlichen Recycling-Dialogen zu distanzieren versuchen, nehmen logische Fehler und unfähige Inszenierung überhand. Der Showdown, dem räumliche Kohärenz fast noch mehr fehlt als Glaubwürdigkeit, rückt den Heldentod, der den Film prosaisch beschließt (ein Mann geht zu Boden und zieht dabei die Flagge hoch), endgültig näher an die Parodie als an das Pathos. Wie ein US-Kollege so schön sagte: "Man muß das mit eigenen Augen gesehen haben, um es nicht glauben zu können."

03.12.2001 Quelle: Print-Presse