[NEWS] Harry Potter, das ist für
mich auch ein bisschen Schwelgen in der Vergangenheit. Damals, als
ich so alt war wie der kleine Zauberlehrling, verschlang ich
"Die Fünf Freunde" oder "Die drei Fragezeichen" und vergleichbares
mit großer Begeisterung... Hätt's nur damals schon Harry gegeben...
Na ja, aber besser spät als nie, mich haben die vier Bücher von
J. K. Rowling jedenfalls auch zu meinen Mitzwanzigern noch in
ihren Bann ziehen können - um's intellektueller zu gestalten,
hab' ich sie immerhin auf Englisch gelesen. ;-)
So gesehen bin ich also durchaus ein Harry Potter-Fan, was auf
meiner Homepage ohnehin noch viel zu wenig rauskommt. ;-) Ich liebe
Rowlings magische Welt und freue mich sehr auf den für dieses
Jahr angekündigten fünften Teil. Mir bleibt dennoch unverständlich,
wie daraus ein derartiger Hype werden konnte, denn so aussergewöhlich
ist auch diese Geschichte nicht - und der Hype ist eigentlich auch
der wirklich negative Aspekt an der Sache.
Es war schon beim Buch ein unverhältnismäßig großer Rummel, was aber
dann der Film auslöste, war einfach nur noch verrückt. Spätestens
als Warner Bros. durch die Welt zog, um das Copyright auf Potter
penibel zu schützen, wurde die Angelegenheit nur mehr krank. Den -
zumeist kindlichen - Fans, die ihre Begeisterung im WWW kundtaten,
Probleme zu bereiten, ist schlichtweg lächerlich. Rowling gehört zu
den reichsten Frauen Großbritaniens und der Time Warner-Konzern muss
auch nicht grade um seine Existenz kämpfen...
Und nachdem dann auch noch ganze Regale in Spielwarengeschäften
mit Potter-Devotionalien angefüllt wurden, verging mir die Lust, an
dem Spektakel teilzunehmen, doch gründlich... Das ich mich dennoch
verführen liess, lag einfach an der unbändigen Neugier und dem ziemlich
guten Feedback, dass der Film bisher bekommen hatte.
Also saß ich vor ein paar Tagen mit einigen anderen gleichgesinnten
Erwachsenen im Artis International und zog ihn mir in der englischen
Originalfassung rein - wenn schon, denn schon. Es war eine winzige
Leinwand, aber, und das hat mich am meisten überrascht, darauf kam's
gar nicht so sehr an...
Der Film zog mich einfach in seinen Bann, und das obwohl ich ja
die Bücher gelesen hatte. Ein ausgesprochen seltener Glücksfall. Wobei
ich hier nur von der englischen Fassung sprechen kann, die wirklich
gelungen ist.
Denn der Charme des "British English" kommt hier voll zur Geltung,
und der spielte auch beim Lesen eine entscheidende Rolle. Gut, dass
Rowling darauf bestanden hatte. Und verblüffender Weise wurde auch
ein Großteil der Charaktere so besetzt, dass man sich rasch wie
zu Hause fühlte. Besonders bei den Kids, also Harry (Daniel Radcliffe)
und Ron (Rupert Grint), gelangen wahre Glücksgriffe. Hermione (Emma Watson)
- sorry, falls die Namen nicht mit der deutschen Version übereinstimmen
- dagegen wirkte gelegentlich etwas künstlich, aber in ihrer Arroganz
wunderbar.
Beim Lehrkörper sticht vor allem Dumbledore, der Direktor von
Hogwarts als Negativbeispiel hervor, ihm fehlt einfach die im
Buch geschilderte Ausstrahlung. Und damit sind wir auch beim
entscheidenden Kritikpunkt, wenngleich er auch irgendwo nachvollziehbar
ist: Der Film hastet zu sehr durch die Geschichte, und Rowlings
detailverliebte Welt lässt sich dadurch nur begrenzt zeigen...
Viele Details und Nebenhandlungen, die das Buch besonders liebenswert
machen, wurden fallen gelassen, was auch sein musste. Allerdings
ging dabei auch Wärme verloren und das ist schade. Insofern ist es
also eigentlich besonders ratsam, das Buch gelesen zu haben, um
es voll zu erleben, und dann einfach noch an der hollywoodschen
Visualisierung Spaß zu haben.
Auch hier wurde ganze Arbeit geleistet - schon alleine das
Quidditch-Match erschien mir unverfilmbar, ist aber doch zu
einem der Höhepunkte geworden.
Das aussergewöhnliche an Rowlings Potter-Büchern ist ja, dass hier,
obwohl viele Klischees verwendet werden, das Böse nicht so offensichtlich
ist und sowohl Bücher als auch Film von ungewöhnlicher Länge für das
Zielpublikum sind - also beides eher von abschreckender Natur für den
großen Erfolg... Um so erfreulicher also, dass es sich dennoch durchsetzen
konnte.
So gesehen spricht also nichts dagegen sich Film und vor allem
Buch gefallen zu lassen, wenn man nur das ekelige Marketing rundherum
und die Machenschaften von Warner vergisst... Ausserdem ist's eh schon
zu spät, der Film rangiert auf Platz vier der erfolgreichsten Filme
aller Zeiten, und das Buch hat's wohl auch längst in den Bestsellerolymp
geschafft... Es hätte um einiges schlimmer kommen können... ;-)