[NEWS] Das ist Balsam für die arme,
geprügelte amerikanische Seele, die ja erst vor kurzem in ihren
Grundfesten erschüttert wurde. Stolz weht wieder mal das Star-Spangled
Banner im Wind, trotzt allem und ist wichtiger als alles. Der
Patriotismus wird mal wieder bis zum Erbrechen zelebriert.
Da fällt es schwer, den unterhaltungswert des Films zu würdigen,
der ja in dem Machtkampf zwischen dem sadistischen Gefängnisdirektor
und dem edlen General durchaus gegeben wäre - wenngleich auch sehr
einfach gestrickt. Es ist immerhin sehr einfallsreich, wie die
Unternehmungen des Direktors von den Insassen permanent unterminiert
werden - man gönnt ihnen durchaus jeden Erfolg...
Aber nein, man musste ja wieder den Rahmen sprengen, es kann
nicht nur um eine kleine Festung gehen, sondern um Heldentum,
den Segen des Militärs, die Fahnentreue, das große Amerika.
Statt dessen hat man immer wieder Robert Redford vor Augen, der
aus all den Schwerverbrechen mit militärischem Idealismus Schäfchen
macht, die ihm blind folgen. Und das in der typisch hollywoodesken
Schizophrenie. Denn am Anfang bemerkt James Gandolfini als der
Anstaltsleiter, wie leicht doch Menschen zu manipulieren wären, und
gleichzeitig setzen die Produzenten des Films ungeniert jedes Mittel
ein, um den Zuseher zu steuern... Mal ganz abgesehen davon, dass
Redfords Figur ebenfalls vollkommen unhinterfragt zum Anführer
der Gefangenen wird.
Dabei ist es ja gar nicht so unrealistisch - man sieht ja
tagtäglich, wie gerne sich die Menschen einer starken Persönlichkeit
unterordnen, so lange sie sich nur mit ihr verbunden fühlen. Traurig
nur, dass das hier so unkritisch wiedergegeben wird.
Als ob das noch nicht genug wäre, wird das zweite Optimum, eben
das der Führerpersönlichkeit, die sich abseits hält, alles unter
Kontrolle hat und auf alles eine Antwort weiss, ins beste Licht gerückt.
Sozusagen, liebe Amis, entweder ihr ordnet Euch unter oder ihr steht
allem vor, aber seid bloß nicht kritisch, oder jedenfalls nicht allzusehr.
Vor allem ist ja auch das, was den Menschen ausmacht, was man ihm nicht
nehmen kann, nicht die Persönlichkeit, wie man als ahnungsloser Europäer
glauben könnte, sondern dass man Soldat ist. Das macht sogar aus einem
Kriminellen einen guten Menschen.
Und warum hat sich Robert Redford dafür hergegeben? Hat er so dringend
Geld gebraucht? Ist er in der Midlife-Crisis? Er übernimmt doch sonst
keine so platten Rollen, oder?