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[NEWS] Irgendwie denke ich, dass die Kritiker
dem Film unrecht tun. Man hat das Gefühl, dass sie schon bei den Namen Hanks
und Zemeckis zu geifern anfangen, und sich gar nicht wirklich auf den Film
einlassen. - Hängt natürlich davon ab, wie man den Film sieht, als Produkt zur
Unterhaltung oder als Geschichte mit Message.
Als Unterhaltungsfilm funktioniert er sehr gut, ist er sogar mutig, weil
ausserordentlich ruhig für eine Big Budget-Produktion. Ist natürlich irgendwo
klar, wenn sich der Hauptteil des Films um den Überlebenskampf Hanks' auf
einer einsamen Insel dreht. Aber man hätte auch mit Haien, Alligatoren,
Eingeborenen und Naturkatastrophen spielen können, was alles ausblieb.
Das legt natürlich den Verdacht nahe, dass Zemeckis uns mit dem Film
doch was sagen wollte, aber ich hoffe mal, dass das nicht wirklich seine
Priorität war, denn dann hätte er's nicht weit gebracht. Dazu sagt der
Film zu wenig aus, beziehungsweise wirkt er viel zu konstruiert.
Es muss ja ausgerechnet jemand sein, der ständig unter Strom steht,
der Manager eines Express-Botendienstes, der auf dieser Insel strandet,
und so gezwungen ist, noch viel mehr wider seine Kultur zu leben, als
ein Sportler oder Lehrer.
Ausserdem hat man sich eines tatsächlich existierenden Botendienstes
bedient - Federal Express,
und diesen manchmal gar seltsam vordergründig ins Bild gerückt, so dass nur
allzu offensichtlich ist, wer hier der Hauptsponsor war. Andererseits - man
versuchte es wohl auch nicht abzustreiten oder zu kaschieren, was schon fast
wieder zu loben ist.
Eins muss ja man Zemeckis und Hanks schon lassen: Die beiden verstehen
ihr Handwerk und zählen nicht umsonst zu den Großverdienern im Business.
Hanks bringt seine Wandlung glaubwürdig rüber und trägt den Film auch
nichtsprechenderweise über lange Zeit. Auch wenn er natürlich immer
übermenschlich ist, so lässt er in seinem hohen Pflichtbewusstsein eins
der angespülten Fedex-Pakete bis zum Schluss geschlossen. Natürlich
ausgerechnet jenes, auf dem Engelsflügel abgebildet sind...
Immerhin hält sich der Film ansonsten mit spirituellen Symbolen
sehr zurück, setzt mehr auf Humor und - dafür da wieder übertrieben -
auf die menschliche Willenskraft. Manchmal fragt man sich, wie Hanks
trotz seltsam gesetzter Prioritäten so lange in dieser Einsamkeit
überlebt.
Auch das Ende finde ich längst nicht so übertrieben, wie andere
Kritiker meinen... Okay, natürlich ist es kitschig, aber doch wieder
nicht so, wie man es für ein Mainstream Happy End erwarten würde...
"Cast Away" war also ein sehr guter Unterhaltungsfilm, toll
bebildert und gespielt, auf dem Stand der Technik, mit einem feinen
Maß an Humor inszeniert und ziemlich spannend...
Kann sein, dass es nur mir so gegangen ist, aber wär's nicht
möglich, dass man sich ein wenig an M. Night Shyamalans
("Der sechste Sinn",
"Unbreakable") Art zu inszenieren
erinnert fühlt, wenn viele Einstellungen so betont ruhig sind,
und beinahe gänzlich auf einen Soundtrack verzichtet wird?
*gg* Ein Freund erinnerte mich an eine zentrale "Figur" des
Films, die in der Kritik eindeutig zu wenig - nämlich gar nicht -
gewürdigt wurde. Dabei ist 'Wilson' die einzige Bezugsperson Tom
Hanks' auf der Insel. Ungleich des berühmten Mr. Wilson aus der
genialen TV-Serie
"Hör mal
wer da hämmert", von dem man nie das Gesicht sieht, ist der
hiesige Mr. Wilson nur ein Gesicht.
Um genauer zu sein, ist er ein auf einen Volleyball der Firma
"Wilson" aus
Blut gemaltes Gesicht.
Auf diese Weise kommt Hanks' Charakter Chuck Noland (mir fällt
grade auf, dass der Name vielleicht etwas zu sprechend ist) wenigstens
zu einem Dialogpartner, was wohl nicht zuletzt für's Publikum ganz
angenehm ist, weil's sonst wirklich nur schweigen wäre - und man in
einem Film sonst nur schwer transportieren kann, wie's in jemandes
Gedanken zugeht...
Zudem sieht Wilson auch ziemlich cool aus, und hat wahrscheinlich
bald jedermanns Sympathie - vor allem auch, weil sich in der trauten
Zweisamkeit der beiden auch so manche witzige Situation ergibt.
Man kann die emotionale Bindung, die zwischen ihnen entsteht,
sehr gut nachvollziehen - man vermisst ihn am Schluss richtig. Liegt
vielleicht daran, dass er von sehr umgänglicher Art ist... ;-))) |