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[NEWS] Eigentlich ist es ja
kein Wunder. Kaum überträgt man einer Frau die
Leitung, geht alles schief. Wie sollten sich sonst drei
Erwachsene gegen Ende des 20. Jahrhunderts mitten in den
USA im Wald verlaufen?
...
Aaahh! *duck* War ja... *flücht* ... nur ... *abwehr*
... ein ... *Schutz such'* ... Scherz!
Aber ehrlich, einer Frau die Landkarte überlassen...
Autsch! Hilfe! *renn* Okay...! *keuch* Ich hör' ja
schon auf.
Hunderttausende Leute rennen, um sich einen - mehr oder
weniger - Amateurfilm reinzuziehen, "Das Blair Witch Project",
von manchen auch liebevoll "Blair Bitch Project" genannt,
zahlen genauso viel wie für aufwendige Horrorfilme aus
Hollywood, und verzichten gar auf geile Special Effects,
fulminanten Surround Sound...
Mensch, gibt es doch noch Hoffnung?
Oder war's das gleiche Phönomen, das Tamgotchis
zu Megasellern und die Spice Girls zu Ikonen machte? Das
pure Mitlaufen mit der breiten Masse, um nur ja hip zu
bleiben?
Wohl eher, jedenfalls wenn man den Kommentaren der Mitkinogeher
lauschte, die immer was sehen wollten, die Blut und
Monster verlangten.
Dabei hab' zumindest ich schon lange nicht mehr bei einem
Film so "mitgefühlt", wie bei jenem hier.
Jedenfalls kann ich Dir sagen - es lohnt sich, ihn
anzusehen, wenn Du nicht nur Action im Kino brauchst,
sondern noch einen Rest Fantasie hast, und man Dir
nicht alles bis ins kleinste Detail zeigen muss, sondern
einiges offen bleiben kann...
Da der Film aber hauptsächlich davon lebt, das
man möglichst wenig über ihn und den Inhalt weiss,
empfehle ich Dir, ihn erst anzusehen, und dann den Rest
zu lesen. Also zisch' ab, falls Du das schändlicherweise
bis jetzt noch nicht geschafft hast.
Du hast ihn also schon gesehen? - Dann geht's
hier weiter! :-)

DER REST
Frauen, sag' ich - auf der einen
Seite spricht man ihnen mehr Belastbarkeit zu, und auf
der anderen sind sie die ersten mit hysterischen Anfällen,
die Verursacher allen Chaos'. Männer wissen das wenigstens
besser zu verbergen.
Okay, ich fürchte, dieser sexistische Humor wird
mich einige Jahre meines Lebens kosten, wenn ich nicht
bald damit aufhöre. Wo waren wir? A ja, die Böse
Hexe von Blair.
Fandest Du ihn auch so genial? Konntest Du auch mitfühlen,
wie die Panik entstand, als sie zwar hörten,
dass etwas da war, aber nichts sahen? :-)
Es braucht eigentlich gar nicht viel, sich vorzustellen,
wie Du Dich fühlen würdest, wenn Du im Wald wärst, in
einem kleinen Zelt, total ungeschützt und absolut
seltsame Geräusche dringen zu dir - dann findest
Du plötzlich seltsame Gebilde, die am Abend zuvor
nicht da waren und schliesslich verschwindet ein
Mitglied Deiner Gruppe...
Sie benutzten nicht mehr als die Kameras und die
Dunkelheit, um das Gruseln zu bewirken, keine Monster,
nichts Übernatürliches, und bis auf den
blutigen Fund Heathers nichts Ekliges.
Was nicht von den anderen Horrorfilmen abwich,
war das irrationale Verhalten, dass Heather, Mike
und Josh an den Tag legten. Vom Wegwerfen der Karte
bis zum Geheimhalten der Überreste Josh's.
Nur, zunächst muss man wohl jedem Geschichtenerzähler
ein paar Freiheiten zugestehen, um die Spannung zu erhalten, und
zum anderen sind wahrscheinlich nur die wenigsten von
uns schon in vergleichbaren Lagen gewesen, um die dabei
aufkeimende Panik und das Zusammenwirken von Hunger,
Müdigkeit, Kälte und dem Gefühl der
Verlorenheit verstehen zu können.
Wir müssen doch bestenfalls um einen Sitzplatz
in der U-Bahn kämpfen und schreien schon McDonald's,
wenn wir zwei Mahlzeiten ausgelassen haben, geraten
in Panik, wenn wir wieder mal schwarzfahrend den Kontrollor
kommen sehen...
Auch die Bessesenheit von Heather, alles aufzuzeichnen,
gleich wie schrecklich die Situation war - das wirkte
schon sehr aufgesetzt, damit man nur ja nicht den Filmstil
ändern musste... Aber zugegeben, ich bin selbst
gelegentlich besessen, und das kann man dann einfach
nicht mehr rational nachvollziehen... :-)
Der eigentliche Hammer war aber das Ende, es so offen
zu lassen, war ziemlich mutig. Und nicht nur das, es
war auch noch dazu kein Happy End. Und kam eigentlich
völlig unvermittelt - grade noch warst Du mitten drin
im Horror, schon kommt der Abspann.
Was ist, hat jemand Lust, den fantasieloseren
Leuten zu zeigen, wie der Film ausgegangen wäre?
Schreibt doch mal, ich verspreche auch, das hier zu
veröffentlichen!
Trotzdem, alles, das jetzt für das Hexenprojekt
spricht, wird vor allem durch die Einzigartigkeit der
Kombination von wackelnder Handkamera und dem Verzicht auf
aufwendige Effekte gerechtfertigt. Okay, ja, es gab vergleichbare
Projekte, aber das Hexen-Team hat halt am meisten draus
gemacht, drum wird ihr Film jetzt auch mehr besprochen als
die Versuche davor.
Natürlich haben alle irgendwo recht, dass die
Story nicht umwerfend neu ist, und natürlich ist es
leichter, diesen Film nachzuahmen, als einen Big Budget
Horrorstreifen, an dem hunderte Leute mitwirken.
Jeder weitere Film, der sich dieser Technik bedient,
wird bestenfalls eine gute Kopie werden - aber so war
das immer. Es kann halt nur einen geben, der als erster
da ist - bzw. als erster ausreichend Bekanntheit erlangt.
Aber, lieber Freund, wenn Du meinst, dass das alles
so leicht zu schaffen ist - dann tu's! Schnapp' Dir ein
paar gute Freunde, 'ne Kamera und schreib' eine Geschichte
- schau', ob Du ähnlich viel Spannung erzeugen kannst...
Titelvorschlag: "Das SCS-Parkplatz-Projekt".
Auf der Suche nach dem auf einem von 8000 Gratisparkplätzen
abgestellten Wagen, entkommt eine Gruppe junger Menschen nur
knapp dem Tod durch Überfahren und überfallen werden,
und vor allem entgehen sie in letzter Sekunde noch der totalen
Pleite, da sie rechtzeitig den Ausgang aus einem verwunschenen
Gebäude namens SCS finden...
Zum Abschluss muss ich noch einen Freund zitieren,
Mario war's, als wir noch frische zwölf oder dreizehn waren,
und uns unsere Werklehrerin wieder irgendwie traktierte:
"Kaum lässt man eine Frau ins Space Shuttle, stürzt
es auch schon ab."
Nach dem Verfassen dieser Filmkritik
erwäge ich ernsthaft, den Rest meines Lebens in
einem abgeschiedenen Männerkloster zu verbringen
- auch wenn ich es in kauf nehmen muss, eventuell
sexuell belästigt zu werden. Aber die Furcht vor
den Waffen der Frauen ist einfach grösser... |