[NEWS] Man könnte meinen, Duracel hat bei
diesem Film Pate gestanden - zumindest ist es die längste und teuerste
Werbung aller Zeiten für diese ewigwährende Batterie, bloß dass sie
hier keinen Hasen sondern einen Jungen und einen Teddybären betreibt.
Aber das sei nur am Rande erwähnt, denn ansonsten muss man ja dem
Realismus in einem Unterhaltungsfilm keine Beachtung schenken, auch
wenn er noch so kurz kommt.
Und das ist es ja auch. Wer auch immer mehr erwartet, der hat
sich selbst in die Tasche gelogen. Schliesslich hat Steven Spielberg
den Film gemacht, und nicht
Stanley
Kubrick, dessen Projekt es ja eigentlich war, der aber leider 1999
verstarb. Und weshalb Spielberg wohl irgendwo auch zum Scheitern
verurteilt ist. Denn selbst bei
"Schindlers
Liste" merkt man Spielbergs grenzenlosen Optimismus, seine Liebe für
Menschen und seinen Glauben an das Gute in selbigen.
Er ist also wohl denkbar ungeeignet, um das düstere Szenario
von "A.I." in Szene zu setzen, auch wenn es ihm bemerkenswert gut
gelungen ist. Denn für seine Maßstäbe ist der Film enorm kühl und
distanziert geworden, ganz im Gegensatz zu den meisten anderen
seiner Werke - oder Produkte?
Was wir leider nie erfahren werden, ist, wie Kubrick diesen
Film gemacht hätte, und dann wäre es durchaus interessant gewesen,
diesen mit Spielbergs Ergebnis zu vergleichen... Das sollte doch
mal eine Herausforderung für Hollywood sein, einen Film von zwei
Regisseuren inszenieren zu lassen, die Leute so zu "zwingen" sich
beide anzusehen - und man spart sich noch das Marketing für einen
der beiden. *gg*
Eigentlich wurde ich ja von zuverlässigen Quellen gewarnt, dass
der Film grottenschlecht ist, vielleicht hat sich da wieder der
Opportunismus in mir gemeldet, und ich musste einfach etwas
Positives finden - andererseits fand ich auch während des Filmes,
mal wieder vom Ende abgesehen, durchaus die meiste Zeit, dass er
durchaus in Ordnung ist.
Spielberg ist ja auch ein guter Regisseur, der einfach weiss,
wie man die Kamera führt, wie man aus seinen Schauspielern etwas
herausholt und wie man bei der Masse des Publikums Emotionen weckt.
Er ist ein guter Handwerker, und wenn er mit Gefühlen spielt, so
ist es bei ihm doch wenigstens gut gemeint, denke ich.
Und ich liess mich eigentlich ganz gerne in diese tragische
Geschichte hineinziehen, in dem der Junge, der Roboter, nicht mehr
will, als geliebt zu werden, und die Mutter nicht mehr will, als
zu lieben. Es geht gar nicht so sehr um real oder künstlich, sondern
einfach nur um diesen rational völlig unerklärlichen Aspekt des
Menschen, seinen Hunger nach Liebe und Zuneigung.
Dies auf einen "toten" Gegenstand zu projizieren verändert daran
nichts, es wird dadurch nur offensichtlicher. Eine der vielen Fragen ist
dann halt nur, woran sich die Liebe des Menschen orientiert, wenn
sie so sehr am Lebenden fixiert zu sein scheint, obwohl unsere
Gefühle doch auch immer für Objekte geweckt werden kann. Oder warum
die Liebe zu einem künstlichen Kind anders sein sollte, als zu einem
Erwachsenen, wie in dem Film gemutmaßt. Ebenso gut könnte man ja meinen,
dass ein künstliches Kind noch mehr Hass provoziert, weil dann sozusagen
das heiligste des Menschen synthetisiert würde...
Alle Fragen, die "A.I." aufwirft, bedürften aber den Film nicht, er
bleibt der Suche des Jungen treu und versucht nebenbei auch noch, eine
Freigabe für Minderjährige zu erhalten, um an den Kinokassen Erfolg
haben zu können. Wieder einmal eine Quadratur des Kreises, denn so kann
man gar nicht versuchen, sich dem Thema ernsthaft anzunähern.
Also lässt man sich am besten von den großartigen Schauspielern
mitreissen, die durch eine irrwitzige und in ihre jugendfreien Schranken
gewiesene Story taumeln. Haley Joel Osment, schon in
"Der sechste Sinn" umwerfend, verkörpert David,
den kleinen Androiden, und darf sich vor Spielbergs erstaunlich ruhigem
Blick "austoben". Jude Law in Gestalt des Liebesroboters wird dabei
fast an die Wand gespielt.
Auf ironische Weise passt Frances O'Connor zum Film, da sie wie
ein Klon von
Sally Field
wirkt, in ihren Gesten, in ihrer Mimik, ihrem Aussehen.
Einen besonderen Bezug haben auch die Szenen im überschwemmten
New York, aus dem die Türme des World Trade Centers ragen, bekommen...
Seit dem Anschlag am 11. September hat sich zumindest in dieser
Hinsicht das Empfinden doch geändert, zumindest vorübergehend...